Qingdao ruft das 49er Sailing Team Peckolt
14.03.2008

Mit der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2008 ging für Jan und Hannes Peckolt bereits ein Traum in Erfüllung, für den sie vier Jahre gekämpft hatten. Doch mit dem größten Erfolg ihrer 49er-Segelkarriere geht die Arbeit in vollem Maße weiter. Denn Dabeisein ist bekanntlich nicht wirklich alles. Wer die Olympia-Fahrkarten nach Qingdao hat, will in China auch überzeugen. Doch die Trauben hängen hoch.

„Wir setzen uns nicht unter Druck, denn wir gehören bei unseren ersten Spielen sicher nicht zu den Favoriten“, schätzen Jan und Hannes Peckolt ihre eigenen Chancen realistisch ein. „Erst einmal arbeiten wir daran, optimal vorbereitet nach China zu fahren. Dort werden wir alles geben. Wir freuen uns schon riesig auf diese Herausforderung!“. Der Erfolgsweg führt sicher vor allem über die starken Teams aus Großbritannien, Australien, Spanien, Italien, USA und der Ukraine. Eine Platzierung sei jedoch nicht planbar in einer Bootsklasse, deren Leistungsdichte in den zurückliegenden vier Jahren seit Athen 2004 nochmals enorm angestiegen ist. Zumal die Segelbedingungen vor der chinesischen Hafenstadt aller Voraussicht nach ein Extrem darstellen werden: sehr leichte Winde bei starker Strömung sind Mitte August typisch. Schwer auszurechnen also, und auch eine mentale Herausforderung.

 

Nervenstärke haben die für den Yacht-Club Langenargen startenden Brüder zuletzt bewiesen, als sie mit Platz sechs bei der Weltmeisterschaft im Januar in Melbourne/Australien die Frage nach der 49er Nummer eins im T-Systems Team 2008 glasklar beantworteten. „Als wir zehn Tage später wieder mit dem Training in Europa begannen, waren wir wie befreit“, erzählt der Steuermann aus Hamburg, „und konnten uns nun auf grundlegende Trainingsinhalte konzentrieren, die wir im Qualifikationszeitraum teils hinten anstellen mussten, und auch neues Material testen.“ Das geschah in den zurückliegenden Wochen in Palma auf der spanischen Ferieninsel Mallorca, wo am übermorgigen Sonntag (16. März) auch die Princess Sofia Trophy beginnt.

Die internationale Traditionsregatta unter Schirmherrschaft des spanischen Königshauses ist für die 49er zugleich Generalprobe für die anschließende Europameisterschaft an gleicher Stelle. „In beiden Wettkämpfen wollen wir vorne mitsegeln, doch das dürfte auch von den Windstärken abhängen“, so der Kieler Vorschoter, denn nach der Olympiaqualifikation habe die Mannschaft sofort auf die Gewichtsbremse getreten. Mehr als zehn Kilogramm hat das Team nach einem Ernährungsplan des Medizinstudenten Hannes Peckolt schon verloren, was für durchtrainierte Leistungssportler enorm ist. „Die gesamte Weltelite setzt darauf, dass in China die beste Leichtwindkonfiguration gewinnen wird“, sagt er, „dem wollen wir nicht nachstehen.“ Vor diesem Hintergrund seien aber alle bis dahin bei mittlerer und starker Brise erzielten Ergebnisse anders zu bewerten.

 

„Unsere Leistung in den kommenden Regatten werden wir daran messen, wie wir mit unseren Trainingsinhalten vorangekommen sind. Der Fokus liegt momentan auf den Starts und auf der Leichtwindtechnik, und weniger auf der Platzierung“, meint Jan Peckolt, „wir werden weiter selbstkritisch bleiben.“ Durch konstant gute Ergebnisse zählen die Peckolts seit zwei Jahren zur absoluten Weltspitze, auch wenn ihnen eine WM-Medaille bislang noch versagt blieb. Bei einer Trainingsregatta in Palma untermauerten die aktuellen Weltranglistenzweiten ihren Status, als sie gegen sechs der zehn Top-Teams Zweiter wurden. „Diese Leistungsvergleiche unter Wettkampfbedingungen sind zwischendurch wichtig, um zu überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“

Denn die Strategie der Peckolt-Brüder lautet, mit der Variablen Materialauswahl, das heißt Boot, Mast und Segel, so früh wie möglich durch zu sein, um sich danach voll und ganz aufs Segeln in den Besonderheiten des Olympiareviers konzentrieren zu können. „Bevor es im Sommer ernst wird, wollen wir von der getroffenen Entscheidung überzeugt sein und nicht im Hinterkopf immer noch die Materialfrage stellen“; erläutert der angehende Wirtschaftsingenieur Jan, alias „Pit“, Peckolt.

 

Auf dem Weg zu den Spielen gehen die Peckolts gemeinsame Wege mit internationalen Sparringspartnern. Die Österreicher Nico Delle Karth und Nikolaus Resch sowie die US-Amerikaner Tim Wadlow und Chris Rast sind teils gemeinsam und teils allein zum Anpassen der Geschwindigkeit und Manöververgleich dabei. Peckolts: „Wir sind froh, eine sehr offene und ehrliche Trainingsgemeinschaft gefunden zu haben, denn auf der Zielgeraden wollen sich viele Spitzenmannschaften meist nicht mehr in die Karten schauen lassen.“


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